Pro Energiewende: Keine Angst vor dem schnellen Kohleausstieg!

This post was originally published in 2018. The tips and techniques explained may be outdated.

Ist ein schneller Ausstieg aus der Energieversorgung mit Kohlekraftwerken wirklich gefährlich für die Versorgungssicherheit? In einem Artikel im Handelsblatt haben sich die Netzbetreiber jetzt besorgt über ein rasches Ende der Kohlekraftwerke geäußert. Es würde zu wenig gesicherte Leistung zu Verfügung stehen. Die Stromversorgung der Bevölkerung sei gefährdet, so die Behauptung. Stimmt nicht, denn bereits heute steht ausreichend Energie aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung.

Das kurzfristige Abschalten von konventionellen Energiequellen mit einer Leistung von bis zu sieben Gigawatt sehen Experten aus Bundesnetzagentur und Bundeswirtschaftsministerium als vollkommen unproblematisch für die Versorgungssicherheit. Zur Einordnung: 2018 sind bislang Steinkohle-Blöcke mit einer Leistung von 1,4 Gigawatt vom Netz gegangen – nur etwas mehr als ein Siebtel der Leistung, auf die sofort verzichtet werden könnte!

Mehr Kraftwerke abschalten? Kein Problem laut Experten

Sieben Gigawatt Leistung würde grob überschlagen zwölf bis 15 mittelgroßen Anlagen entsprechen. Die Experten stellen sogar die Möglichkeit in den Raum, noch mehr Kraftwerke abzuschalten. Berechnungen zu höheren Stilllegungsmengen könnten, falls gewünscht, kurzfristig durchgeführt werden, heißt es in einem Spiegel-Artikel vom 15.11.2017.

Mehr Strom als wir verbrauchen können

Sorgen, dass in Deutschland dann die Lichter ausgehen, machen sich die Experten nicht. Selbst wenn bis 2020 Kraftwerke mit einer Leistung von sieben Gigawatt abgeschaltet würden, könnten die restlichen Kraftwerke noch immer 18 Gigawatt mehr Strom produzieren als die Deutschen maximal verbrauchen, heißt es in dem Papier. Im Jahr 2023, nachdem das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet ist, läge der Leistungsüberschuss noch immer bei elf Gigawatt.

Eine Gefahr geht also nicht von dem zu schnellen Abschalten konventioneller Kohlekraftwerke aus. Das Problem für die Netzstabilität ist heute nicht, dass wir zu wenig Strom haben, sondern eher noch, dass zu viel Strom vorhanden ist. Das kann man hier auch sehr gut sehen. Im Sommer wie im Winter wird massiv exportiert was die Leitungen hergeben – bis zu 16 Gigawatt.

Zur Erklärung: Der grau-violette Bereich unter der Null-Linie ist der deutsche Strom-Export in die Nachbarländer. Der lilafarbene Bereich über der Nulllinie (s. August 2018) ist der Import. Wir haben also in Deutschland mehr Strom als wir selbst verbrauchen können.  

Erneuerbare Energien gefährden die Netzstabilität nicht

Aber was ist dann mit der Überlastung der Netze? Droht diese durch zu viel erneuerbare Energien?

Längst ist erweisen, dass viele Erneuerbare das Netz nicht instabil machen. Im Gegenteil: In der Vergangenheit konnte man beobachten, dass mit steigender Menge der Erneuerbaren auch die Netzstabilität zunahm – belegt durch den SAIDI Index.

 

Mehr über Mythen und Fakten rund um die Erneuerbaren Energien lest ihr in unserem Blog-Beitrag: Den Mythen über die Energiewende entschlossen entgegen treten.

 

1 Antwort
  1. Ralf Bees
    Ralf Bees sagte:

    Schade, dass hier so alte und nicht mehr zeitgerechte Berichte zu lesen sind.
    Wir schreiben inzwischen 2021 und obwohl der Kohleausstieg erst beschlossen, aber noch nicht vollzogen ist, kam es dieses Jahr bereits zu einem Kollaps, wo Teile der Industrie nicht mehr versorgt, bzw. einfach abgeschaltet wurden, weil eben nicht genug Strom vorhanden war. Diesen kaufen wir ggf. teuer und „schmutzig“ dazu.
    Ich bin sicher kein Freund von Kohleverstromung, aber wie will man Millionen Elektroautos mit Strom versorgen, wenn gleichzeitig Jeder Klimaanlagen und Wärmepumpen in Betrieb nimmt? Die PV-Anlage lohnt sich doch nur, wenn der Eigenverbrauch entsprechend hoch ist!
    Mein Stromverbrauch hat sich dadurch mehr als verdoppelt und wird inzwischen durch 2 PV-Anlagen (gesamt 18 KWp + Batteriespeicher) nicht mehr gewährleistet und das ohne E-Auto. Woher soll der Strom kommen, wenn er für derzeit ca. 8 Cent billig verkauft/eingespeist werden muss?
    Ohne Direktvermarktung und entschieden preiswertere Speicher lohnt sich der Bau einer PV-Anlage heute und künftig nicht wirklich, sondern ist eher ein Projekt, mit welchem man sein eigenes Gewissen beruhigt. Und dafür haben Investoren mit Sicherheit keinen einzigen Cent übrig.
    Ich mache es nur aus Überzeugung, aber ehrlich gesagt, lohnt sich meine neue Anlage nur, weil die Altanlage noch mit 28 Cent/KWh gefördert wurde und die noch weiter laufenden 10 Jahre mit identischer Förderung, die neue Anlage mit finanziert. Was aber wird nach diesen 10 Jahren? Die Großkonzerne haben sicher wenig Interesse an der direkten Vermarktung von PV-Strom durch Kleinunternehmer.
    Die Politik ist gefragt, um den Bau neuer PV-Anlagen voranzutreiben. Bisher hat diese den Ausbau von PV- und Windkraftanlagen eher gedeckelt. Die Bürger schimpfen über die EEG-Umlage, die den Strom für den Verbraucher um 6,5 Cent teurer macht als notwendig. Daher muss jedem Anlagenbetreiber die Möglichkeit der Direktvermarktung seines zu viel produzierten Stroms gegeben werden. Das allein entlastet die Netze und verhindert erneute Stromausfälle. Außerdem braucht das System der dezentralen Stromversorgung keine so starken Leitungen und Netzsysteme; man käme mit dem bestehenden Stromnetz aus.
    Das aber bedeutet für die großen Stromerzeugungsunternehmen, sie müssten ein Stück vom Kuchen abgeben. Wer glaubt denn aber noch wirklich an den Weihnachtsmann?

    Antworten

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